Michaels aktuelle Plattentipps
Wer hier ein paar aktuelle Tipps vermisst (z.B. Motorpsycho
oder Laura Veirs, sollte mal auf
der Jahresseite 2010 nachschauen ...
(07.03.2010)
Der achte Januar ist fast immer ein guter Tag: früher, bei den
"Rusty
Nails Mark II", also von Mitte der 80er bis in die 90er, sagte
ich gerne auf Konzerten: der Tag an dem die "drei berühmten
B des Rock'n'Roll" Geburtstag haben: Klaus Baumgart,
David Bowie und Elvis Bresley. Am Freitag, dem 08.01.2010
war morgens das neue Album von Laura Veirs in der
Post und hat mich sofort verzückt. Und am Abend bin ich bei Klaus
...
P.S.: ich feiere übrigenz selber immer zusammmen mit Wolfgang
Nideggen und Norah Jones ...
(08.01.2010)
Alles Gute aus 2009 findet Ihr jetzt auf der Seite
für 2009, auch dann, wenn es noch ziemlich frisch ist, wie
zum Beispiel The Swell Season,
Norah Jones oder Os
Mutantes, Brasiliens Beste. Ganz frisch in meinem CD-Player steckt
auch das Album der Mutton Birds aus Neuseeland,
obwohl es auch schon deutlich mehr als 10 Jahre auf dem Buckel hat.
(01.01.2010)
| Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra: "Kollaps Tradixionales" (Constellation, Feb. 2010) |
Auf diese Platte bin ich über das Format - ein 10-Zoll-Doppelalbum
mit beiliegender CD - aufmerksam geworden, ohne die Band aus Kanada vorher
zu kennen. Zwar war sie nicht gerade billig (über 20€!), aber
bei diesem niedlichen Format reagiere ich nicht immer vernünftig.
Auf jeden Fall machten das Cover und der Waschzettel vom Glitterhaus neugierig
und ich habe bestellt. Gestern kam das Paket und ich lausche einer gewaltigen,
beeindruckenden Musik, die ich erst einmal verdauen muss, um etwas wirklich
geistreiches darüber sagen zu können.Bei der Band handelt es sich übrigenz um einen Ableger bzw. ein Nebenprojekt der kanadischen Avantgardeband Godspeed Black Emperor und dies ist bereits das sechste Album seit 2000, allerdings wechselt der Name immer ein wenig: zuerst hiessen sie "A Silver Mt. Zion", zwischendurch "A Silver Mt. Zion & The Tra-La-La-Band With Choir" und inzwischen eben "Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra". Immer dabei waren Gitarrist Efrim Menuck, Kontrabassist Thierry Amar und Geigerinnen Sophie Trudeau und Jessica Moss. Zur aktuellen Besetzung gehört ausserdem Trommler Dave Payant. Von den Livequalitäten des Quintetts kann man sich sehr gut bei Youtube überzeugen. Auf jeden Fall rocken "Silver Mt. Zion", wie ich sie mal verkürzend nennen möchte, trotz des Übergewichts an "klassischen Instrumenten" (Kontrabass und zwei Geigen gegenüber E-Gitarre und Schlagzeug!) gewaltig. (28.02.2010) |
| Robyn Hitchcock: "I Often Dream Of Trains In New York" (Yep Roc, Dez. 2009) |
Vor ungefähr 25 Jahren nahm Robyn Hitchcock nach seiner Zeit
bei den Soft Boys und vor seiner
mittelprächtigen Solokarriere mit seinen Egyptians
das spartanische Soloalbum "I
Often Dream Of Trains" auf, das er am 22.11.2008 mit der Unterstützung
von Multiinstrumentalist Terry Edwards (Tindersticks)
und Gitarrist Tim Keegan annähernd vollständig in einem
New Yorker Theater auf die Bühne brachte. Enthalten ist neben der
CD auch eine DVD, wobei vor allem letztere ein besonderer Genuss ist,
weil die Ansagen zwischen den Liedern mindestens so gut sind wie die Lieder
selber.(26.02.2010) |
| Allison Moorer: "Crows" (Rykodiscs, Feb. 2010) |
Auch Shelby Lynne's kleine Schwester
ist inzwischen eine der ganzen großen in der Singer/Songwriter-Zunft.
Für dieses Album ist sie wieder zurückgekehrt aus New York nach
Nashville und hat sich statt von ihrem Ehemann Steve Earle wieder
mit ihrem alten Weggefährten und Trommler R.S. Field zusammen
getan, der diesen Job bereits auf dem 2004er-Alben "The
Duel" und der Konzert-DVD "Show"
gut machte.Der Mann vom Glitterhaus hält "Crows" sogar für "das bessere Shelby-Album", aber das höre ich leider nicht heraus. Das ist aber auch egal, denn beide Ladies spielen in der ersten Liga und Vergleiche sind überflüssig und unnötig. (26.02.2010) |
| Christian Scott: "Yesterday You Said Tomorrow" (Universal/Concord, Feb. 2010) |
Am vergangenen Dienstag kam ein Anruf von meinem Freund
Frank: er habe zwei Freikarten für ein Jazzkonzert am kommenden Abend
in Kempen mit dem amerikanischen Jazztrompeter Christian Scott.
Weil ich von dem Mann aber bisher noch nie etwas gehört hatte und
ausserdem eigentlich keine Lust, nachts bei Eisesglätte mit meinem
Wagen durch den linken Niederrhein zu heizen, wollte ich eigentlich schon
absagen, aber Frank kann mitunter sehr überzeugend sein. Also waren wir beide am Mittwoch Richtung Kempen unterwegs (ein nettes Städchen, soweit man das im Dunkeln beurteilen kann!), um dort im Jugendzentrum "Campus" einem grandiosen Auftritt beizuwohnen: gestern noch in Paris und morgen in Berlin leghte das Christian Scott Quintet bei uns am beschaulichen Niederrhein einen Zwischenstopp ein und spielte ein dermassen gutes Konzert, dass ich mir am Donnerstag sofort das neue Album bestellen musste, das mir dann auch bereits am Samstag morgen von meinem wie immer gut gelaunten Briefträger überreicht wurde. Beim Konzert hatte Mr. Scott noch schmunzelnd damit kokettiert, dass die BBC sein neues Album zu einem der besten Jazzalben der letzten 50 Jahre erklärt hätte, was natürlich totaler Humbug ist, aber beim Hören beschleicht mich jetzt sogar der Gedanke, dass die BBC vielleicht sogar recht haben könnte. Um Euch noch neugieriger zu machen hier ein kurzes Zitat vom Künstler aus den Liner-Notes: "YYST was designed in subject matter and sound to have the brevity and the character of the recordings of the '60s (the John Coltrane Quartet, Miles Davis 2nd quintet, Bob Dylan, Hendrix, Mingus, etc.), a period when music was in direct relationship to society in view and application.". Wenn ich jetzt das Namedropping noch um Radiohead ergänze ("Eraser", die einzige Fremkomposition, stammt von Thom Yorke) , dann haben wir (fast) alle Hinweise zum Verständnis dieser Musik zusammen. Erwähnt werden muss ausserdem noch die tolle Band von Platte und Konzert (Pianist Milton Fletcher, Bassist Kris Funn, Gitarrist Matt Stevens und Wahnsinnstrommler Jamire Williams) und der legendäre Tonmeister Rudy van Gelder, bei dem dieses Album aufgenommen wurde. Schön, dass der Mann noch unter uns weilt! Doch genug mit den vielen Querverweisen. Jetzt gilt für alle: selber hören! Wie ernst es Christian Scott mit seiner Verehrung von Bob Dylan ist, kann man übrigenz in dem kleinen Werbefilm erfahren, der auf den Webseiten der einschlägigen Internet-CD-Händler zu sehen ist. (22.02.2010) |
| Midlake: "The Courage Of Others" (Bella Union, Feb. 2010) |
Drei und ein halbes Jahr gelten in der Popmusik, abgesehen vielleicht
von Axl Rose und Sade, als eine kleine Ewigkeit. Solange
hat es gedauert, bis die Band aus Texas einen Nachfolger zu "The
Trials Of Van Occupanther" veröffentlicht hat. Während
jenes Album bei mir aus heute kaum noch nachzuvollziehbaren Gründen
damals wenig Eindruck hinterlassen hatte (da muss ich wohl noch einmal
nachsitzen!), war ich jetzt aber direkt dabei: die aktuellen Besprechungen
zu "The Courage Of Others" erwähnen die Vorliebe der Band
zum britischen Folkrock der frühen 70er (Fairport
Convention, Pentangle, ...) und
ich war natürlich besonders neugierig: zwar würde ich die Musik
von Midlake nicht unbedingt als "Folkrock" bezeichnen,
denn ich kann keine Verweise auf die britische Folk-Tradition heraushören,
aber es klingt für meine Ohren trotzdem sehr schön. Es fällt
dabei der verstärkte Einsatz der Querflöte in
fast jedem Lied auf, während der Einsatz von Tasteninstrumenten reduziert
wurde. Man könnte also eher Jethro Tull zum Vergleich anführen,
aber da kenne ich mich eigentlich kaum aus, denn Ian Anderson fand
ich immer schon nervend, während Midlakes Tim Smith interessante
Songs schreibt und seine Flöte auch eher als Klangfarbe, denn als
Soloinstrument einsetzt. Einziger Schwachpunkt nach dem ersten Hören:
mir sind die Lieder melodisch etwas zu ähnlich geraten, sodass ich
sie kaum auseinander halten kann. Da hätte ich gerne etwas mehr Abwechselung
gehabt. Vielleicht muss ich da aber nur etwas öfter und konzentrierter
zuhören. Ausserdem singen viele meiner Helden immer die gleiche Melodie:
Van Morrison, Bob Dylan, Robert Forster: die Liste
ist lang.(22.02.2010) |
| Get Well Soon: "Vexations" (City Slang, Jan. 2010) |
|
Am Samstag war die Band in Haldern zu Gast. Und weil auch Musée
Méchanique dort eigentlich spielen sollten bin ich natürlich
hingefahren. Aber leider bin ich auch nach dem guten Auftritt der Band
immer noch nicht viel schlauer, ob ich die Platte jetzt gut finde ohne
nicht. Eigentlich stimmen alle Zutaten, aber irgend etwas fehlt ...
vermutlich sind es doch die ein wenig zu melancholischen Lieder mit
den ein wenig zu traurigen Melodien, die mir nicht wirklich gefallen,
aber man kann es auch ganz schlicht so sagen: zu viel Klassik, zu wenig
Rock'n'Roll - aber das trifft es auch irgendwie nicht ganz. |
| Musée Mécanique: "Hold This Ghost" (Souterrain Transmissions, Jan. 2010/2008) |
Die Entdeckungsreise nach Portland geht auch mit dieser Veröffentlichung
aus dem Hause Souterrain Transmissions weiter. Vergleiche in der
Presse bemühen gerne den Einsatz der vielen mehr oder weniger exotischen
oder "historischen" Instrumente- von der singenden Säge
bis zum Uraltanalogsynthie. Aber eigentlich handelt es sich bei Musée
Mécanique doch auch nur um zwei singende und songschreibende
Burschen mit ihren Gitarren, deren Musik für meinen Geschmack gut
zu Leuten wie J. Tillman und William
Fitzsimmons passt, auch wenn Micah Rabwin und Sean Ogilvie
ihr musikalisches Grundgerüst aus Gesang und Gitarren lieber mit
mechanischen und nicht mit digitalen Zutaten vom Laptop anreichern. Beide
begleiten übrigenz nebenher sowohl live als auch im Studio des Öfteren
Labelkollegin Laura Gibson. Alleine
dafür muss man sie mögen. Natürlich ist gibt's auch bei dieser fünften LP des Labels die MP3s gratis dabei. Vielleicht ist es auch erst die dritte Veröffentlichung, denn sie trägt zwar die Nummer SOU005LP, mir sind aber nur die beiden anderen Alben von Laura Gibson (SOU001LP) und Ramona Falls (SOU002LP) bekannt. Es heisst also: weiter aufmerksam sein. (12.02.2010) |
| "Crayon Angel - A Tribute To The Music Of Judee Sill" (American Dust, Sept. 2009) |
Tribute-Alben sind anscheinend nicht jedermanns Sache. Und sicherlich
kann man auch hier einwenden, dass nicht jede der Interpretationen als
gelungen zu bezeichnen ist. Aber Tatsache bleibt doch, dass es sich hier
um ein schönes Album mit erstklassigen Liedern in durchweg hörbaren
Versionen handelt. Ausserdem: wann kann man schon mal eine neue
CD geniessen, die was mit Judee Sill zu tun hat? Immerhin gab es
nur zwei Originalalben zu Lebzeiten der Künstlerin ("Judee
Sill" von 1971 und "Heart
Food" von 1973) und nur wenige posthume Veröffentlichungen
(z.B. "Dreams Come True"
in 2005 und die BBC-Aufnahmen in 2007).
Fast wundert es mich, warum es so lange gedauert hat, bis ein solches
Prokjekt endlich umgesetzt wurde. Alle guten Lieder sind dabei (natürlich "Jesus Was A Crossmaker" oder z.B. der Titelsong), aber es gibt auch zwei erst kürzlich entdeckte und bisher unbekannte Lieder, die Judee Sill offensichtlich nie selber aufgenommen, aber in Noten festgehalten hatte. Die Riege der beteiligten Musiker ist durchaus passend: Ron Sexsmith, Bill Callahan (A.K.A. Smog), Beth Orton und Owen Pallett (A.K.A. Final Fantasy) sind ein klein wenig bekannter. Vielleicht sollte ich auch noch Nicolai Dunger, Marissa Nadler, Daniel Rossen von der wunderbaren Band Grizzly Bear und Meg Baird, Sängerin der Espers, erwähnen. Wenn ich jetzt noch einmal darauf hinweise, dass die Platten zwar gut ist, auch wenn keine der Versionen an das Original heranreicht (soweit es eine Originalversion gibt!), dann muss ich auch weiterhin anprangern, dass so wenige Leute die Originale von Judee Sill kennen! (12.02.2010) |
| Emily Jane White: "Victorian American" (Talitres, Okt. 2009) |
Brauchen wir noch mehr von diesen singenden Songschreiberinnen? Auf jeden
Fall, wenn sie gut sind! Leider hatte ich "Victorian American"
im vergangenen Herbst noch in der Masse der Neuerscheinungen übersehen.
Zwar fand ich das Debüt "Dark Undercoat" von 2008 schon
recht ordentlich, aber es hatte sich dann doch nicht wirklich bei mir
festgesetzt, weshalb die Aufmerksamkeit für "Victorian American"
erst einmal auch nicht besonders groß war und ich sogar ihren, wie
ich leider hinterher erfahren musste, tollen Auftritauch dieses gute Album,
wenn man mich nicht drauf aufmerksam gemacht hätte ...Zur Musik? Die Stimme von Emily Jane White wird immer gerne mit der von Chan Marshall (alias Cat Power) und Suzanne Vega verglichen. Den Cat Power-Vergleich kann ich nachvollziehen, obwohl Emily Jane White im "technischen Sinne" nach meiner Meinung sogar noch besser singt und auch andere Musik macht. Suzanne Vega höre ich dagegen nicht heraus. Die ausgezeichnete Aufnahmen mit viel Atmosphäre stammen vom mir bisher nicht bekannten Wainwright Hewlett und erinnern mich in ihrem Ansatz und ihrer Qualität an die von mir zur Zeit sehr geschätzten Produktionen von Tucker Martine (Laura Veirs, Laura Gibson), ohne diesen jedoch zu kopieren. (10.02.2010) |
| Ralph Towner & Paolo Fresu: "Chiaroscuro" (ECM, Nov. 2009) |
Ab und zu entdecke ich noch mal eine neue ECM-Platte
bzw. sie wird mir wärmstens empfohlen, so wie in diesem Fall. Zu
Ralph Towner muss ich eigentlich nicht viel sagen: seit den 70ern
viele (meistens) tolle Platten mit seiner Band Oregon,
viele (meistens) gute Soloalben bei ECM, oft im
Duett mit anderen Künstlern (ich denke da gerne zurück an Alben
mit John Abercrombie, Gary Peacock
oder Gary Burton). Hier ist sein kongenialer
Partner der sardische Trompeter Paolo Fresu, der mir bisher leider
unbekannt war. Zu hören ist dabei typische kammermusikalische ECM-Musik
- und das ist durchaus positiv gemeint! Schön ist auch, dass Towner
inzwischen auf den Einsatz seines Synthesisers verzichtet, der mir den
Genuss mancher Oregon- und Soloalben verleidet hat. Schön
wäre dagegen vielleicht eine Klaviernummer gewesen: etwas, was er
nämlich auch ganz ausgezeichnet kann. Das höre ich auch viel
lieber als zum Beispiel Keith Jarrett, wenn der sein Sopransaxofon
auspackt. Andererseits möchte ich natürlich nicht auf Towner
an der Gitarre verzichten. Oder von mir aus auch auf Jarrett am Klavier.(09.02.2010) |
| "Dan Berglund's Tonbruket" (Act, Jan. 2010) |
Der schwedische Bassist Dan Berglund spielte bisher im Esbjörn
Svensson Trio, einem der weltbesten Jazz-Piano-Trios der letzten Jahre,
obwohl "E.S.T.", wie die Truppe auch kurz & knapp
genannt wurde, eigentlich nie pur Jazz, sondern immer auch ein wenig "Rock"
und alles mögliche andere war. Nach dem Unfalltod des Pianisten Esbjörn
Svensson und somit dem zwangsläufigen Ende des Trios vor wenigen
Jahren präsentiert Berglund hier seine neues Quartett, das noch weniger
"pur Jazz" ist als die alte Band. Bei den ersten Tönen
des Gitarristen Johan Lindström auf seiner Lapsteel bei der
Eröffnungsnummer "Sister Sad" fühlt man sich eher
an die Eröfnungssequenz von Pink Floyds "Wish
You Were Here" erinnert: auch David Gilmour setzte gerne
dieses sonst eher im Country angesiedelte Instrument ein. Zwar versuchen
die Musiker von Tonbruket gar nicht erst, die musikalische Lücke
von E.S.T. zu schließen (höchstens die "kommerzielle
Lücke", denn auch Tonbruket veröffentlicht beim deutschen
Jazzlabel Act!), aber ein besonderes Augenmerk liegt sicherlich
auf dem Mann, der hier auf dem Klavierhocker in ziemlich großen
Fußstapfen sitzt: es handelt sich um den offensichtlich sehr gut
beschäftigten Martin Hederos, der ja schließlich auch
die Tasten bei den Rockern von The Soundtrack
Of Our Lives bedient und unter dem Namen Hederos & Hellberg
ein gefragtes Klavier/Gesangs-Duo hat bzw. hatte. Ist das hier jetzt also "Jazz"? Oder "Rock"? Kein Ahnung - aber auf jeden Fall gute Musik- und auf gar keinen Fall das, was man im Allgemeinen als "Jazzrock" bezeichnet oder als "Progrock"!"Und das ist gut so!", wie unser Wowi aus Bärlin so schön sagt. (07.02.2010) |
| Tindersticks: "Falling Down A Mountain" (4AD, Jan. 2010) |
Stuart Staples mit seiner wunderbaren Band Tindersticks
jetzt auf dem 4AD-Label - das macht natürlich Sinn! Was soll
man zu dieser Band noch viel sagen, die seit den früher 90ern ein
paar grosse Alben (vor allem die titellosen ersten beiden von 1993
bzw. 1995) und viele mittelprächtige
gemacht, auch wenn ich als Hörer nicht immer am Ball war? "Falling
Down The Mountain" hat mich nun neben den - wie immer - guten Kritiken
aus folgenden Gründen zum zeitnahen Erwerb bewogen: die göttliche
Mary Margaret O'Hara hat beim
witzigen (!) "Peanuts" einen ihren leider äußerst
seltenen Gesangsaufritte im Duett mit Staples. Zum Kauf der CD hätte
das zwar alleine schon gereicht, aber als ich mir sicher war, dass bei
der Vinylausgabe ein Downloadgutschein dabeisein würde, war die Sache
natürlich geritzt!Ist das Album jetzt so gut wie die grandiosen ersten beiden? Ich habe keine Ahnung nach dem ersten Hören - auf jeden ist es noch besser als das schon ziemlich gute Comebackalbum "The Hungry Saw" von 2008! Ach ja - der irische Singer/Songwriter David Kitt gehört jetzt als Gitarrist und zweite Gesangstimme fest zur Band. (04.02.2010) |
| Menomena: "Friend And Foe" (Ciy Slang/Barsuk, Sept. 2007) |
Knapp 14 Tage nach der Erwähnung im Plattentipp zu Ramona
Falls habe ich durch Zufall (?) in der Grabbelkiste vom Duisburger
Garageland auch die CD von Brent Knopfs Stammkapelle Menomena
gefunden, in der die drei Multiinstrumentalisten Brent Knopf (hauptsächlich
anscheinend Gitarre, Keyboards und Gesang), Danny Seim (hauptsächlich
anscheinend Schlagzeug und Gesang; im Nebenjob mit dem Projekt Lackthereof
aktiv) und Justin Harris (hauptsächlich anscheinend Baritonsaxofon,
Bass und Gesang; Nebenjobs nicht bekannt) zusammen musizieren. Wie soll man diese Musik jetzt nennen? Vielleicht Experimental-Indie-Pop? Früher hätte man das sicher Progrock genannt, allerdings fehlt der Band zum Glück dieser Hang zu bombastischem Kitsch und virtuoser Selbst-XXX-ung (hier bitte je nach Geschmack für die Ixe "befrei", "befriedig", "verwirklich", "beweihräucher" oder dergleichen einsetzen!), den moderne Progrockbands oft haben. Auf jeden Fall gibt es auf "Friend And Foe" wirklich interessante und coole Sounds, wildes Spiel und - vor allem - gute Song: z.B. "Rotten Hell", das hier als Klavierballade mit dreistimmigem Gesang, Rumpelschlagzeug und Glockenspiel daherkommt. Zu dem Lied gibt es bei Daytrotter auch ein schönes Video, in dem die frei Burschen nur mit Akustikklampfe und Shakern bewaffnet singend durch die Gegend laufen und dabei von einem Ninja, einer Prinzessin und einem Gorilla verfolgt werden, auch wenn das Ganze nicht unbedingt viel Sinn ergibt. Charmanter Trash! Ansonsten: wann konnte man zuletzt in einer Rockband so ein tolles Baritonsaxofon hören? Ok, ganz früher bei King Crimson, z.B. in "Pictures Of A City" auf dem Album "Wake Of Poseidon". Aber als tragendes Element in einer Band? Da fällt mir im Moment nur das Trio Morphine ein, die ich mir unbedingt mal wieder anhören muss! (02.02.2010) |
| LAKE: "Let's Build A Roof" (K Records, Okt. 2009) |
Das ist hier natürlich nicht die Hamburger Rockband aus den 70ern,
sondern eine noch recht frische Truppe aus Portland/Oregon im amerikanischen
Nordwesten, aus dem zur Zeit massenhaft gute Musik in die Welt drängt
(Decemberists, Tara Jane O'Neil,
Mirah, Laura
Gibson, Laura Veirs, Ramona
Falls, Portugal. The Man, etc).
Entdeckt habe ich die Band über zwei sehr schöne Daytrotter-Sessions,
eine davon wurde sogar erst vor wenigen Tagen, am 2. Januar 2010, in's
Netz gestellt. Man kann sich das gratis herunterladen! Absolut empfehlenswert!Auf das aktuelle Album "Let's Build a Roof" bin ich dann über zwei weitere Hinweise aufmerksam geworden: zum einen wurde es beim legendären "K"-Label (natürlich auch aus dem amerikanischen Nordwesten!) veröffentlicht, zum anderen wurde es vom Multiinstrumentalisten Karl Blau produziert, der mir schon auf mehreren Alben von Laura Veirs aufgefallen war. Ausserdem sind alle sechs Musiker der Band selber Multiinstrumentalisten: im Prinzip spielt (fast) jeder von ihnen Gitarre, Bass, Keyboards, Schlagzeug und Perkussion. Für Leadgesang und Songwriting sind dagegen zumeist nur (das Pärchen?) Eli Moore und Ashley Eriksson zuständig. Trotzdem entsteht dabei kein virtuoses (oder dilletantisches) Gefrickel, was mich beides ziemlich nerven würde, sondern eine schöne, spannende und intelligente Rockmusik, irgendwo zwischen Krautrock, Beach Boys (ca. "Holland") und Indie-Rock. Mit vielen wunderbaren Einlagen am Wurlitzer Piano und anderen eher "historischen" analogen Tasteninstrumenten der 70er, wie etwa dem ELKA Rhapsody, einem italienischen (!) Gerät, mit dem man diese schwurbeligen Streichersounds hinbekommt. Und hier noch der Hinweis für alle Hobbyverschwörungstheoretiker da draußen: "ELKA" ist zwar kein Palindrom von "LAKE", aber fast! (27.01.2010) |
