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Michaels aktuelle Plattentipps

Wer hier ein paar aktuelle Tipps vermisst (z.B. Motorpsycho oder Laura Veirs, sollte mal auf der Jahresseite 2010 nachschauen ...
(07.03.2010)

Der achte Januar ist fast immer ein guter Tag: früher, bei den "Rusty Nails Mark II", also von Mitte der 80er bis in die 90er, sagte ich gerne auf Konzerten: der Tag an dem die "drei berühmten B des Rock'n'Roll" Geburtstag haben: Klaus Baumgart, David Bowie und Elvis Bresley. Am Freitag, dem 08.01.2010 war morgens das neue Album von Laura Veirs in der Post und hat mich sofort verzückt. Und am Abend bin ich bei Klaus ...
P.S.: ich feiere übrigenz selber immer zusammmen mit Wolfgang Nideggen und Norah Jones ...
(08.01.2010)

Alles Gute aus 2009 findet Ihr jetzt auf der Seite für 2009, auch dann, wenn es noch ziemlich frisch ist, wie zum Beispiel The Swell Season, Norah Jones oder Os Mutantes, Brasiliens Beste. Ganz frisch in meinem CD-Player steckt auch das Album der Mutton Birds aus Neuseeland, obwohl es auch schon deutlich mehr als 10 Jahre auf dem Buckel hat.
(01.01.2010)


Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra: "Kollaps Tradixionales" (Constellation, Feb. 2010)
mehr über "Kollaps%20Tradixionales" Auf diese Platte bin ich über das Format - ein 10-Zoll-Doppelalbum mit beiliegender CD - aufmerksam geworden, ohne die Band aus Kanada vorher zu kennen. Zwar war sie nicht gerade billig (über 20€!), aber bei diesem niedlichen Format reagiere ich nicht immer vernünftig. Auf jeden Fall machten das Cover und der Waschzettel vom Glitterhaus neugierig und ich habe bestellt. Gestern kam das Paket und ich lausche einer gewaltigen, beeindruckenden Musik, die ich erst einmal verdauen muss, um etwas wirklich geistreiches darüber sagen zu können.
Bei der Band handelt es sich übrigenz um einen Ableger bzw. ein Nebenprojekt der kanadischen Avantgardeband Godspeed Black Emperor und dies ist bereits das sechste Album seit 2000, allerdings wechselt der Name immer ein wenig: zuerst hiessen sie "A Silver Mt. Zion", zwischendurch "A Silver Mt. Zion & The Tra-La-La-Band With Choir" und inzwischen eben "Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra". Immer dabei waren Gitarrist Efrim Menuck, Kontrabassist Thierry Amar und Geigerinnen Sophie Trudeau und Jessica Moss. Zur aktuellen Besetzung gehört ausserdem Trommler Dave Payant. Von den Livequalitäten des Quintetts kann man sich sehr gut bei Youtube überzeugen. Auf jeden Fall rocken "Silver Mt. Zion", wie ich sie mal verkürzend nennen möchte, trotz des Übergewichts an "klassischen Instrumenten" (Kontrabass und zwei Geigen gegenüber E-Gitarre und Schlagzeug!) gewaltig.
(28.02.2010)
Robyn Hitchcock: "I Often Dream Of Trains In New York" (Yep Roc, Dez. 2009)
mehr über "I%20Often%20Dream%20Of%20Trains%20In%20New%20York" Vor ungefähr 25 Jahren nahm Robyn Hitchcock nach seiner Zeit bei den Soft Boys und vor seiner mittelprächtigen Solokarriere mit seinen Egyptians das spartanische Soloalbum "I Often Dream Of Trains" auf, das er am 22.11.2008 mit der Unterstützung von Multiinstrumentalist Terry Edwards (Tindersticks) und Gitarrist Tim Keegan annähernd vollständig in einem New Yorker Theater auf die Bühne brachte. Enthalten ist neben der CD auch eine DVD, wobei vor allem letztere ein besonderer Genuss ist, weil die Ansagen zwischen den Liedern mindestens so gut sind wie die Lieder selber.
(26.02.2010)
Allison Moorer: "Crows" (Rykodiscs, Feb. 2010)
mehr über "Crows" Auch Shelby Lynne's kleine Schwester ist inzwischen eine der ganzen großen in der Singer/Songwriter-Zunft. Für dieses Album ist sie wieder zurückgekehrt aus New York nach Nashville und hat sich statt von ihrem Ehemann Steve Earle wieder mit ihrem alten Weggefährten und Trommler R.S. Field zusammen getan, der diesen Job bereits auf dem 2004er-Alben "The Duel" und der Konzert-DVD "Show" gut machte.
Der Mann vom Glitterhaus hält "Crows" sogar für "das bessere Shelby-Album", aber das höre ich leider nicht heraus. Das ist aber auch egal, denn beide Ladies spielen in der ersten Liga und Vergleiche sind überflüssig und unnötig.
(26.02.2010)
Christian Scott: "Yesterday You Said Tomorrow" (Universal/Concord, Feb. 2010)
mehr über "Yesterday%20You%20Said%20Tomorrow" Am vergangenen Dienstag kam ein Anruf von meinem Freund Frank: er habe zwei Freikarten für ein Jazzkonzert am kommenden Abend in Kempen mit dem amerikanischen Jazztrompeter Christian Scott. Weil ich von dem Mann aber bisher noch nie etwas gehört hatte und ausserdem eigentlich keine Lust, nachts bei Eisesglätte mit meinem Wagen durch den linken Niederrhein zu heizen, wollte ich eigentlich schon absagen, aber Frank kann mitunter sehr überzeugend sein.
Also waren wir beide am Mittwoch Richtung Kempen unterwegs (ein nettes Städchen, soweit man das im Dunkeln beurteilen kann!), um dort im Jugendzentrum "Campus" einem grandiosen Auftritt beizuwohnen: gestern noch in Paris und morgen in Berlin leghte das Christian Scott Quintet bei uns am beschaulichen Niederrhein einen Zwischenstopp ein und spielte ein dermassen gutes Konzert, dass ich mir am Donnerstag sofort das neue Album bestellen musste, das mir dann auch bereits am Samstag morgen von meinem wie immer gut gelaunten Briefträger überreicht wurde. Beim Konzert hatte Mr. Scott noch schmunzelnd damit kokettiert, dass die BBC sein neues Album zu einem der besten Jazzalben der letzten 50 Jahre erklärt hätte, was natürlich totaler Humbug ist, aber beim Hören beschleicht mich jetzt sogar der Gedanke, dass die BBC vielleicht sogar recht haben könnte.
Um Euch noch neugieriger zu machen hier ein kurzes Zitat vom Künstler aus den Liner-Notes: "YYST was designed in subject matter and sound to have the brevity and the character of the recordings of the '60s (the John Coltrane Quartet, Miles Davis 2nd quintet, Bob Dylan, Hendrix, Mingus, etc.), a period when music was in direct relationship to society in view and application.". Wenn ich jetzt das Namedropping noch um Radiohead ergänze ("Eraser", die einzige Fremkomposition, stammt von Thom Yorke) , dann haben wir (fast) alle Hinweise zum Verständnis dieser Musik zusammen.
Erwähnt werden muss ausserdem noch die tolle Band von Platte und Konzert (Pianist Milton Fletcher, Bassist Kris Funn, Gitarrist Matt Stevens und Wahnsinnstrommler Jamire Williams) und der legendäre Tonmeister Rudy van Gelder, bei dem dieses Album aufgenommen wurde. Schön, dass der Mann noch unter uns weilt! Doch genug mit den vielen Querverweisen. Jetzt gilt für alle: selber hören! Wie ernst es Christian Scott mit seiner Verehrung von Bob Dylan ist, kann man übrigenz in dem kleinen Werbefilm erfahren, der auf den Webseiten der einschlägigen Internet-CD-Händler zu sehen ist.
(22.02.2010)
  • Konzerthighlight: Jazz Club im Jugendzentrum Campus , Kempen, 17.02.2010
  • Midlake: "The Courage Of Others" (Bella Union, Feb. 2010)
    mehr über "The%20Courage%20Of%20Others" Drei und ein halbes Jahr gelten in der Popmusik, abgesehen vielleicht von Axl Rose und Sade, als eine kleine Ewigkeit. Solange hat es gedauert, bis die Band aus Texas einen Nachfolger zu "The Trials Of Van Occupanther" veröffentlicht hat. Während jenes Album bei mir aus heute kaum noch nachzuvollziehbaren Gründen damals wenig Eindruck hinterlassen hatte (da muss ich wohl noch einmal nachsitzen!), war ich jetzt aber direkt dabei: die aktuellen Besprechungen zu "The Courage Of Others" erwähnen die Vorliebe der Band zum britischen Folkrock der frühen 70er (Fairport Convention, Pentangle, ...) und ich war natürlich besonders neugierig: zwar würde ich die Musik von Midlake nicht unbedingt als "Folkrock" bezeichnen, denn ich kann keine Verweise auf die britische Folk-Tradition heraushören, aber es klingt für meine Ohren trotzdem sehr schön. Es fällt dabei der verstärkte Einsatz der Querflöte in fast jedem Lied auf, während der Einsatz von Tasteninstrumenten reduziert wurde. Man könnte also eher Jethro Tull zum Vergleich anführen, aber da kenne ich mich eigentlich kaum aus, denn Ian Anderson fand ich immer schon nervend, während Midlakes Tim Smith interessante Songs schreibt und seine Flöte auch eher als Klangfarbe, denn als Soloinstrument einsetzt. Einziger Schwachpunkt nach dem ersten Hören: mir sind die Lieder melodisch etwas zu ähnlich geraten, sodass ich sie kaum auseinander halten kann. Da hätte ich gerne etwas mehr Abwechselung gehabt. Vielleicht muss ich da aber nur etwas öfter und konzentrierter zuhören. Ausserdem singen viele meiner Helden immer die gleiche Melodie: Van Morrison, Bob Dylan, Robert Forster: die Liste ist lang.
    (22.02.2010)
    Get Well Soon: "Vexations" (City Slang, Jan. 2010)

    mehr über "Vexations" Auf dieses schöne & schwere Vinyldoppelalbum musste ich einige Tage warten. Der erste Höreindruck ist eigentlich ganz gut, aber richtig gute Songs mit dem Ohrwurmfaktor, wie beim Debütalbum "Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon", konnte ich auf die Schnelle nicht finden. Auf jeden Fall liegt dieses oppulente Album im Klappcover gut in den Händen. Ich bin sogar versucht zu glauben, dass dadurch die Musik beim Hören besser klingt. Ach ja - natürlich mit dem erhofften MP3-Downloadgutschein!
    (12.02.2010)

    Am Samstag war die Band in Haldern zu Gast. Und weil auch Musée Méchanique dort eigentlich spielen sollten bin ich natürlich hingefahren. Aber leider bin ich auch nach dem guten Auftritt der Band immer noch nicht viel schlauer, ob ich die Platte jetzt gut finde ohne nicht. Eigentlich stimmen alle Zutaten, aber irgend etwas fehlt ... vermutlich sind es doch die ein wenig zu melancholischen Lieder mit den ein wenig zu traurigen Melodien, die mir nicht wirklich gefallen, aber man kann es auch ganz schlicht so sagen: zu viel Klassik, zu wenig Rock'n'Roll - aber das trifft es auch irgendwie nicht ganz.
    Gestern war ich in Düsseldorf beim Konzert der Tindersticks, die ja auch sehr melancholisch daher kommen - aber die haben einfach die besseren Melodien und natürlich in Stuart Staples einen begnadeten Sänger und Performer. Aber da hat der noch recht junge Konstantin Gropper schließlich noch viel Zeit, um zu reifen ...
    (01.03.2010)

  • Konzerthighlight: Rock im Saal, Haldern, 27.02.2010
  • Musée Mécanique: "Hold This Ghost" (Souterrain Transmissions, Jan. 2010/2008)
    mehr über "Hold%20This%20Ghost" Die Entdeckungsreise nach Portland geht auch mit dieser Veröffentlichung aus dem Hause Souterrain Transmissions weiter. Vergleiche in der Presse bemühen gerne den Einsatz der vielen mehr oder weniger exotischen oder "historischen" Instrumente- von der singenden Säge bis zum Uraltanalogsynthie. Aber eigentlich handelt es sich bei Musée Mécanique doch auch nur um zwei singende und songschreibende Burschen mit ihren Gitarren, deren Musik für meinen Geschmack gut zu Leuten wie J. Tillman und William Fitzsimmons passt, auch wenn Micah Rabwin und Sean Ogilvie ihr musikalisches Grundgerüst aus Gesang und Gitarren lieber mit mechanischen und nicht mit digitalen Zutaten vom Laptop anreichern. Beide begleiten übrigenz nebenher sowohl live als auch im Studio des Öfteren Labelkollegin Laura Gibson. Alleine dafür muss man sie mögen.
    Natürlich ist gibt's auch bei dieser fünften LP des Labels die MP3s gratis dabei. Vielleicht ist es auch erst die dritte Veröffentlichung, denn sie trägt zwar die Nummer SOU005LP, mir sind aber nur die beiden anderen Alben von Laura Gibson (SOU001LP) und Ramona Falls (SOU002LP) bekannt. Es heisst also: weiter aufmerksam sein.
    (12.02.2010)
    "Crayon Angel - A Tribute To The Music Of Judee Sill" (American Dust, Sept. 2009)
    mehr über "Crayon%20Angel%20-%20A%20Tribute%20To%20The%20Music%20Of%20Judee%20Sill" Tribute-Alben sind anscheinend nicht jedermanns Sache. Und sicherlich kann man auch hier einwenden, dass nicht jede der Interpretationen als gelungen zu bezeichnen ist. Aber Tatsache bleibt doch, dass es sich hier um ein schönes Album mit erstklassigen Liedern in durchweg hörbaren Versionen handelt. Ausserdem: wann kann man schon mal eine neue CD geniessen, die was mit Judee Sill zu tun hat? Immerhin gab es nur zwei Originalalben zu Lebzeiten der Künstlerin ("Judee Sill" von 1971 und "Heart Food" von 1973) und nur wenige posthume Veröffentlichungen (z.B. "Dreams Come True" in 2005 und die BBC-Aufnahmen in 2007). Fast wundert es mich, warum es so lange gedauert hat, bis ein solches Prokjekt endlich umgesetzt wurde.
    Alle guten Lieder sind dabei (natürlich "Jesus Was A Crossmaker" oder z.B. der Titelsong), aber es gibt auch zwei erst kürzlich entdeckte und bisher unbekannte Lieder, die Judee Sill offensichtlich nie selber aufgenommen, aber in Noten festgehalten hatte. Die Riege der beteiligten Musiker ist durchaus passend: Ron Sexsmith, Bill Callahan (A.K.A. Smog), Beth Orton und Owen Pallett (A.K.A. Final Fantasy) sind ein klein wenig bekannter. Vielleicht sollte ich auch noch Nicolai Dunger, Marissa Nadler, Daniel Rossen von der wunderbaren Band Grizzly Bear und Meg Baird, Sängerin der Espers, erwähnen. Wenn ich jetzt noch einmal darauf hinweise, dass die Platten zwar gut ist, auch wenn keine der Versionen an das Original heranreicht (soweit es eine Originalversion gibt!), dann muss ich auch weiterhin anprangern, dass so wenige Leute die Originale von Judee Sill kennen!
    (12.02.2010)
    Emily Jane White: "Victorian American" (Talitres, Okt. 2009)
    mehr über "Victorian%20America" Brauchen wir noch mehr von diesen singenden Songschreiberinnen? Auf jeden Fall, wenn sie gut sind! Leider hatte ich "Victorian American" im vergangenen Herbst noch in der Masse der Neuerscheinungen übersehen. Zwar fand ich das Debüt "Dark Undercoat" von 2008 schon recht ordentlich, aber es hatte sich dann doch nicht wirklich bei mir festgesetzt, weshalb die Aufmerksamkeit für "Victorian American" erst einmal auch nicht besonders groß war und ich sogar ihren, wie ich leider hinterher erfahren musste, tollen Auftritauch dieses gute Album, wenn man mich nicht drauf aufmerksam gemacht hätte ...
    Zur Musik? Die Stimme von Emily Jane White wird immer gerne mit der von Chan Marshall (alias Cat Power) und Suzanne Vega verglichen. Den Cat Power-Vergleich kann ich nachvollziehen, obwohl Emily Jane White im "technischen Sinne" nach meiner Meinung sogar noch besser singt und auch andere Musik macht. Suzanne Vega höre ich dagegen nicht heraus. Die ausgezeichnete Aufnahmen mit viel Atmosphäre stammen vom mir bisher nicht bekannten Wainwright Hewlett und erinnern mich in ihrem Ansatz und ihrer Qualität an die von mir zur Zeit sehr geschätzten Produktionen von Tucker Martine (Laura Veirs, Laura Gibson), ohne diesen jedoch zu kopieren.
    (10.02.2010)
    Ralph Towner & Paolo Fresu: "Chiaroscuro" (ECM, Nov. 2009)
    mehr über "Chiaroscuro" Ab und zu entdecke ich noch mal eine neue ECM-Platte bzw. sie wird mir wärmstens empfohlen, so wie in diesem Fall. Zu Ralph Towner muss ich eigentlich nicht viel sagen: seit den 70ern viele (meistens) tolle Platten mit seiner Band Oregon, viele (meistens) gute Soloalben bei ECM, oft im Duett mit anderen Künstlern (ich denke da gerne zurück an Alben mit John Abercrombie, Gary Peacock oder Gary Burton). Hier ist sein kongenialer Partner der sardische Trompeter Paolo Fresu, der mir bisher leider unbekannt war. Zu hören ist dabei typische kammermusikalische ECM-Musik - und das ist durchaus positiv gemeint! Schön ist auch, dass Towner inzwischen auf den Einsatz seines Synthesisers verzichtet, der mir den Genuss mancher Oregon- und Soloalben verleidet hat. Schön wäre dagegen vielleicht eine Klaviernummer gewesen: etwas, was er nämlich auch ganz ausgezeichnet kann. Das höre ich auch viel lieber als zum Beispiel Keith Jarrett, wenn der sein Sopransaxofon auspackt. Andererseits möchte ich natürlich nicht auf Towner an der Gitarre verzichten. Oder von mir aus auch auf Jarrett am Klavier.
    (09.02.2010)
    "Dan Berglund's Tonbruket" (Act, Jan. 2010)
    mehr über "Dan%20Berglund%27s%20Tonbruket" Der schwedische Bassist Dan Berglund spielte bisher im Esbjörn Svensson Trio, einem der weltbesten Jazz-Piano-Trios der letzten Jahre, obwohl "E.S.T.", wie die Truppe auch kurz & knapp genannt wurde, eigentlich nie pur Jazz, sondern immer auch ein wenig "Rock" und alles mögliche andere war. Nach dem Unfalltod des Pianisten Esbjörn Svensson und somit dem zwangsläufigen Ende des Trios vor wenigen Jahren präsentiert Berglund hier seine neues Quartett, das noch weniger "pur Jazz" ist als die alte Band. Bei den ersten Tönen des Gitarristen Johan Lindström auf seiner Lapsteel bei der Eröffnungsnummer "Sister Sad" fühlt man sich eher an die Eröfnungssequenz von Pink Floyds "Wish You Were Here" erinnert: auch David Gilmour setzte gerne dieses sonst eher im Country angesiedelte Instrument ein. Zwar versuchen die Musiker von Tonbruket gar nicht erst, die musikalische Lücke von E.S.T. zu schließen (höchstens die "kommerzielle Lücke", denn auch Tonbruket veröffentlicht beim deutschen Jazzlabel Act!), aber ein besonderes Augenmerk liegt sicherlich auf dem Mann, der hier auf dem Klavierhocker in ziemlich großen Fußstapfen sitzt: es handelt sich um den offensichtlich sehr gut beschäftigten Martin Hederos, der ja schließlich auch die Tasten bei den Rockern von The Soundtrack Of Our Lives bedient und unter dem Namen Hederos & Hellberg ein gefragtes Klavier/Gesangs-Duo hat bzw. hatte.
    Ist das hier jetzt also "Jazz"? Oder "Rock"? Kein Ahnung - aber auf jeden Fall gute Musik- und auf gar keinen Fall das, was man im Allgemeinen als "Jazzrock" bezeichnet oder als "Progrock"!"Und das ist gut so!", wie unser Wowi aus Bärlin so schön sagt.
    (07.02.2010)
    Tindersticks: "Falling Down A Mountain" (4AD, Jan. 2010)
    mehr über "Falling%20Down%20A%20Mountain" Stuart Staples mit seiner wunderbaren Band Tindersticks jetzt auf dem 4AD-Label - das macht natürlich Sinn! Was soll man zu dieser Band noch viel sagen, die seit den früher 90ern ein paar grosse Alben (vor allem die titellosen ersten beiden von 1993 bzw. 1995) und viele mittelprächtige gemacht, auch wenn ich als Hörer nicht immer am Ball war? "Falling Down The Mountain" hat mich nun neben den - wie immer - guten Kritiken aus folgenden Gründen zum zeitnahen Erwerb bewogen: die göttliche Mary Margaret O'Hara hat beim witzigen (!) "Peanuts" einen ihren leider äußerst seltenen Gesangsaufritte im Duett mit Staples. Zum Kauf der CD hätte das zwar alleine schon gereicht, aber als ich mir sicher war, dass bei der Vinylausgabe ein Downloadgutschein dabeisein würde, war die Sache natürlich geritzt!
    Ist das Album jetzt so gut wie die grandiosen ersten beiden? Ich habe keine Ahnung nach dem ersten Hören - auf jeden ist es noch besser als das schon ziemlich gute Comebackalbum "The Hungry Saw" von 2008!
    Ach ja - der irische Singer/Songwriter David Kitt gehört jetzt als Gitarrist und zweite Gesangstimme fest zur Band.
    (04.02.2010)
    Menomena: "Friend And Foe" (Ciy Slang/Barsuk, Sept. 2007)
    mehr über "Friend%20And%20Foe" Knapp 14 Tage nach der Erwähnung im Plattentipp zu Ramona Falls habe ich durch Zufall (?) in der Grabbelkiste vom Duisburger Garageland auch die CD von Brent Knopfs Stammkapelle Menomena gefunden, in der die drei Multiinstrumentalisten Brent Knopf (hauptsächlich anscheinend Gitarre, Keyboards und Gesang), Danny Seim (hauptsächlich anscheinend Schlagzeug und Gesang; im Nebenjob mit dem Projekt Lackthereof aktiv) und Justin Harris (hauptsächlich anscheinend Baritonsaxofon, Bass und Gesang; Nebenjobs nicht bekannt) zusammen musizieren.
    Wie soll man diese Musik jetzt nennen? Vielleicht Experimental-Indie-Pop? Früher hätte man das sicher Progrock genannt, allerdings fehlt der Band zum Glück dieser Hang zu bombastischem Kitsch und virtuoser Selbst-XXX-ung (hier bitte je nach Geschmack für die Ixe "befrei", "befriedig", "verwirklich", "beweihräucher" oder dergleichen einsetzen!), den moderne Progrockbands oft haben.
    Auf jeden Fall gibt es auf "Friend And Foe" wirklich interessante und coole Sounds, wildes Spiel und - vor allem - gute Song: z.B. "Rotten Hell", das hier als Klavierballade mit dreistimmigem Gesang, Rumpelschlagzeug und Glockenspiel daherkommt. Zu dem Lied gibt es bei Daytrotter auch ein schönes Video, in dem die frei Burschen nur mit Akustikklampfe und Shakern bewaffnet singend durch die Gegend laufen und dabei von einem Ninja, einer Prinzessin und einem Gorilla verfolgt werden, auch wenn das Ganze nicht unbedingt viel Sinn ergibt. Charmanter Trash!
    Ansonsten: wann konnte man zuletzt in einer Rockband so ein tolles Baritonsaxofon hören? Ok, ganz früher bei King Crimson, z.B. in "Pictures Of A City" auf dem Album "Wake Of Poseidon". Aber als tragendes Element in einer Band? Da fällt mir im Moment nur das Trio Morphine ein, die ich mir unbedingt mal wieder anhören muss!
    (02.02.2010)
    LAKE: "Let's Build A Roof" (K Records, Okt. 2009)
    mehr über "Let%27s%20Build%20A%20Roof" Das ist hier natürlich nicht die Hamburger Rockband aus den 70ern, sondern eine noch recht frische Truppe aus Portland/Oregon im amerikanischen Nordwesten, aus dem zur Zeit massenhaft gute Musik in die Welt drängt (Decemberists, Tara Jane O'Neil, Mirah, Laura Gibson, Laura Veirs, Ramona Falls, Portugal. The Man, etc). Entdeckt habe ich die Band über zwei sehr schöne Daytrotter-Sessions, eine davon wurde sogar erst vor wenigen Tagen, am 2. Januar 2010, in's Netz gestellt. Man kann sich das gratis herunterladen! Absolut empfehlenswert!
    Auf das aktuelle Album "Let's Build a Roof" bin ich dann über zwei weitere Hinweise aufmerksam geworden: zum einen wurde es beim legendären "K"-Label (natürlich auch aus dem amerikanischen Nordwesten!) veröffentlicht, zum anderen wurde es vom Multiinstrumentalisten Karl Blau produziert, der mir schon auf mehreren Alben von Laura Veirs aufgefallen war. Ausserdem sind alle sechs Musiker der Band selber Multiinstrumentalisten: im Prinzip spielt (fast) jeder von ihnen Gitarre, Bass, Keyboards, Schlagzeug und Perkussion. Für Leadgesang und Songwriting sind dagegen zumeist nur (das Pärchen?) Eli Moore und Ashley Eriksson zuständig. Trotzdem entsteht dabei kein virtuoses (oder dilletantisches) Gefrickel, was mich beides ziemlich nerven würde, sondern eine schöne, spannende und intelligente Rockmusik, irgendwo zwischen Krautrock, Beach Boys (ca. "Holland") und Indie-Rock. Mit vielen wunderbaren Einlagen am Wurlitzer Piano und anderen eher "historischen" analogen Tasteninstrumenten der 70er, wie etwa dem ELKA Rhapsody, einem italienischen (!) Gerät, mit dem man diese schwurbeligen Streichersounds hinbekommt. Und hier noch der Hinweis für alle Hobbyverschwörungstheoretiker da draußen: "ELKA" ist zwar kein Palindrom von "LAKE", aber fast!
    (27.01.2010)