Das legendäre Jazzlabel Blue Note lieferte (und liefert immer noch!) nicht nur ausgezeichnete Musik, sondern auch eine wunderbare Coverästhetik! 1939 von dem aus Deutschland emigrierten Alfred Loew, der sich in Alfred Lion nannte, gegründet war Blue Note bereits seit dem Beginn des Zeitalters der Langspielplatte Ende der 40er/Anfang der 50er dabei, auch wenn zum Beispiel die ersten Monk-LPs noch 1o-Zoll groß waren. Miles Davis, John Coltrane, Duke Ellington, Sonny Rollins - alle großen des Jazz waren zumindest für ein Album mal dabei. Gerade in den 60ern bis zu Beginn der 70er entstanden viele tolle Platten, die dank der sich damals rasant entwickelnden Tontechnik und vor allem Dank Tonmeister Rudy van Gelder - auch heute noch toll klingen.
1965 verkauften Lion und sein Partner Francis Wolff Blue Note
an die Plattenfirma Liberty. Lion ging zwei Jahre später
in den Ruhestand und Wolff starb 1971. In den späten
70ern war leider nicht mehr so viel los: auch ich besitze gerade
mal eine Chico Hamilton-Vinyl-LP, die ich mir erst einmal wieder
anhören mußte, bevor ich sie hier überhaupt vorstellen konnte.
Liberty wurde schon 1969 an United Artists verkauft, das wiederum
1979 von Mutter EMI gekauft wurde, die zeitgleich Blue Note einstellte.
1985 wurde das Label von EMI über dessen
Label Capitol reaktiviert und war so erfolgreich wie nie: zum
einen mit CD-Wiederveröffentlichungen der alten Vinylschätze
aus den 60ern, zum anderen aber vor allem mit neuen Künstlern wie
Cassandra Wilson und besonders Norah
Jones. Auch wenn jetzt viele meckern, daß das ja kein Jazz
mehr sei.
(08.02.2009)
| Thelonius Monk: "Genius Of Modern Music, Vol. 1" (BLP 5002, 15. Okt. 1947 - 2. Juli 1948) |
Ich
komme bei diesen frühen Aufnahmen von Monk, Miles & Co. immer ein
wenig durcheinander, aber die Aufnahmen stammen zwar von 1947 und '48
und wurden zuerst als 78er Schellacks veröffentlicht, als 1o"-Album
wohl aber erst später (die erste 10"-Vinyl von Blue Note erschien
1951). Ein Pflichtkauf, weil Monks erste eigene Version von "'Round
Midnight" mit dabei ist. |
| Miles Davis: "Birth Of The Cool" (21. Jan 1949 bis 09.März 1950) |
Auch hier gilt: diese bahn brechenden Aufnahmen sind von 1949 und 1950,
erschienen als komplettes Blue Note-Album aber erst 1957. Die Geburtsstunde
des Cool Jazz. |
| Thelonius Monk: "Genius Of Modern Music, Vol. 2" (BP 5009, 15. Okt. 1947 - 23. Juli 1951) |
Der
zweite Teil des Monk-Klassikers, dieses Mal mit Aufnahmen von 1947 bis
'51, auf meiner CD sogar mit Aufnahmen von 1952. |
| Sonny Rollins: "Vol. 2" (BLP 1558, 14. April 1957) |
|
|
| Johnny Griffin: "Blowin' Session" (BLP 1559, 06. April 1957) |
|
| John Coltrane: "Blue Train" (BLP 1577, 15. Sept. 1957) |
Ein
eher unbekanntes Album des größten Saxofonisten des Jazz, noch
vor seiner Zeit bei Atlantic und Impulse. Wohl sein einziges
für Blue Note. Mit der bewährten Rhythmusgruppe von Miles
Davis (Schlagzeuger Philly Joe Jones und Bassist Paul Chambers),
Kenny Drew am Piano, Posaunist Curtis Fuller und Trompeter
Lee Morgan war das sogar ein Sextett mit drei
Bläsern. |
| Sonny Clark: "Cool Struttin'" (BLP 1588, 05. Jan. 1958) |
Ein echter Hardbob-Klassiker in jedem Fall - vielleicht sogar das
"Blue-Note-Album-Schlechthin"? Ich kenne kaum etwas
mit mehr Swing als diese Aufnahmen des oft unterschätzten Pianisten,
hier zusammen mit dem Trompeter Art
Farmer, dem Altsaxofonisten Jackie McLean
und dem ein Jahr später durch das Miles Davis-Album "Kind
Of Blue" weltbekannt werdenden Rhythmusgruppe mit Schlagzeuger
Philly Joe Jones und Bassist Paul Chambers.(08.08.2006) |
| Cannonbal Adderley: "Somethin' Else" (BLP 1595, 09. März 1958) |
![]() |
| Art Blakey And The Jazz Messengers: "Moanin'" (BLP 4003, Okt. 1956) |
Aufgenommen 1956, erschienen aber wohl erst 1959. Enthält mit dem Titelsong
aus der Feder von Pianist Bobby Timmons und "Along Came
Betty" von Saxofonist Benny Golson gleich zwei Originalaufnahmen
zukünftiger Jazzklassiker. An der Trompete überzeugt Lee
Morgan.(10.03.2009) |
| Hank Mobley: "Soul Station" (BLP 4031, 07. Feb. 1960) |
Hank
Mobley hat als Tenorsaxofonist zwar nie den Bekanntheitsgrad von John
Coltrane oder Sonny Rollins erreicht
und war sicherlich nicht so "innovativ" wie Coltrane, hat aber
nichtsdestotrotz ein paar ausgezeichnete Alben aufgenommen. Dieses "typische
Bluenote-Album" gilt zu recht als eines seiner besten. Mit dem unvergleichlichen
Art Blakey am Schlagzeug, sowie Wynton Kelly
am Piano und Paul Chambers am Kontrabass, beide Mitglieder vom
Miles Davis Quintet und auch auf dessen legendärem Album "Kind
Of Blue" dabei. |
| Tina Brooks: "True Blue" (BLP 4041, 25. Juni 1960) |
Tina
Brooks ist Blue Note-Tenorsaxofonist nie so bekannt geworden wie Sonny
Rollins, John Coltrane, Joe
Henderson, Wayne Shorter oder Hank
Mobley. Deshalb ist wohl auch vielen diese schöne Hardbop-Session
mit Freddie Hubbard (tp), Duke Jordan (p),
Sam Jones (b) und Art Taylor (dr) entgangen. Sommermusik. |
| Freddie Hubbard: "Ready For Freddie" (BLP 4085, 12. Aug. 1961) |
Kein besonders kreativer LP-Titel, aber eines der besten Alben eines der
besten Jazztrompeter. "High End Blue Note" sozusagen, Dank Freddie
Hubbard, Tonmeister Rudy van Gelder (wer sonst?) und der tollen
Band: Schlagzeuger Elvin Jones, Pianist McCoy Tyner und
Bassist Art Davis vom Coltrane Quartett
(bei Art Davis bin ich mir nicht sicher, ob er fest dort dabei oder nur
"Ergänzungsspieler" war), dazu der damals noch "junge"
Tenorsaxofonist Wayne Shorter und Euphoniumspieler
Bernard McKinney (der nannte sich später Kiane Zawadi, warum
auch immer), aufgenommen am 12. August 1961. Das im Jazz eher selten eingesetzte
Euphonium liegt von der Lage her zwischen der Trompete und der Tuba und
klingt für ungeübte Ohren (also z. B. meine) wie eine Posaune.(28.05.2008) |
| Ike Quebec: "Blue And Sentimental" (BLP 4098, 23. Dez. 1961) |
|
Das 1963 erschienene Album "Blue And Lonesome" ist noch viel besser, als das wenige Tage vorher aufgenommene Album "It Might As Well Be Spring". Begleiter aus der 1. Jazz-Liga sind dabei: Gitarrist Grant Green, Bassist Paul Chambers und Schlagwerker Philly Joe Jones. Aber vor allem überzeugt der Ton von Ike. Perfektes Nachtclub-Saxofon. Wunderschön. Balsam für die Ohren. |
| Ike Quebec: "It Might A Well Be Spring" (BLP 4105, 09. Dez. 1961) |
|
Milt Hinton (bass), Al Harewood (dr) und Freddie Roach
(org) sind hier die etwas unbekannteren Mitmusiker. Das Album hat mir
optisch schon immer gut gefallen. Und kürzlich habe ich in der Grabbelkiste
von 2001 zugegriffen ... |
| Duke Ellington: "Money Jungle" (17. Sept. 1962) |
Duke Ellington + Charlie Mingus + Max Roach = Ein Gigantentreffen.
Eine der wenigen Aufnahmen von Ellington in kleiner Triobesetzung.(28.02.2009) |
| Freddie Hubbard: "Hub-Tones" (BLP 4115, 10. Okt. 1962) |
Viele gute Platten hat der gute Freddie damals für Blue Note aufgenommen.
"Hub-Tones" ist besonders gelungen, was neben Freddie auch an
den anderen beiden Solisten - Pianist Herbie Hancock
und Flötist/Altsaxofonist James Spaulding - und der Rhythmusgruppe
- Reggie Workman und Clifford Jarvis - liegt. |
| Kenny Burrell: "Midnight Blue" (BLP 4123, 7. Jan. 1963) |
|
An den Congas ist der legendäre Ray Barretto dabei, das Saxofon bläst Stanley Turrentine - auch eine Legende! |
| Donald Byrd: "A New Perspective" (BLP 4124, 12. Nov. 1963) |
Der Klassiker von Donald Byrd mit einem der schönsten Blue Note-Cover,
wo Byrd mit einem der schönsten Autos dieser Zeit (aller Zeiten?),
dem Jaguar E-Type, posiert. Erwähnenswert ist auch der eingesetzte
Gospelchor. |
| Jackie McLean: "One Step Beyond" (BLP 4137, 30. April 1963) |
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| Joe Henderson: "Page One" (BLP 4140, 03. Juni 1963) |
Das Blue Note-Debüt des Tenorsaxofonisten enthält mit "Blue Bossa"
vom an der Aufnahmesession beteiligten Trompeter Kenny Dorham die
Originalversion eines Jazzklassikers, den wohl die meisten kennen - wenn
auch nicht dem Namen nach. Für mich bleibt aber unerklärlich, warum der
hier ausgezeichnet aufspielende Pianist McCoy Tyner als einziger
auf dem Froncover namentlich nicht genannt wird, sondern nur unter "etc."
firmiert. |
| Grachan Moncur III: "Evolution" (BLP 4153, 21. Nov. 1963) |
Als
eines der wenigen Alben des Posaunisten und Komponisten Grachan Moncur
III unter eigenem Namen ist "Evolution" eine für Blue Note-Verhältnisse
relativ "sperrige" Angelegenheit, auch wenn der Begriff "Free
Jazz" unzutreffend wäre - eher passt "Avantgarde".
Komplexe Kompositionen, eingespielt von einem Spitzenensemble (Lee
Morgan an der Trompete, Bobby Hutcherson am
Vibraphon, Jackie McLean am Altsaxophon, Bob
Cranshaw am Bass und der damals 17jährige Tony Williams am
Schlagzeug) zeichnen dieses Highlight von Blue Note aus.(27.05. 2009) |
| Grant Green: "Idle Moments" (BLP 4154, 15. Nov. 1963) |
"Idle Moments", so was wie "Momente des Müßiggangs",
deutet natürlich auf eine sehr lässige Spielart des Jazz hin,
die hier der Gitarrist Grant Green mit seinen exzellenten Mitspielern
(u. a. Joe Henderson am Tenorsax und Bobby
Hutcherson am Vibraphon) pflegt. Vor allem aber swingt die Platte
ungemein. Mit böser Zunge könnte man das als "Barjazz"
bezeichnen, aber warum ist das ein Schimpfwort? Diese Band spielt hier
gleichzeitig völlig lässig und total virtuos - und ich hätte
sie dabei extrem gerne in einem Jazzclub erlebt! Ansonsten: vielleicht
DIE PERFEKTE BLUE NOTE PLATTE? (Feb. 2006) |
| Lee Morgan: "The Sidewinder" (BLP 4157, 21. Dez. 1963) |
"Sidewinder" ist nicht nur das Comeback des Trompeters bei seinem
alten Label als Leader, sondern - so weit ich weiß - sogar einer der größten
Hits des Blues Note Labels überhaupt aus den 60ern! Zusammen mit Joe
Henderson (tsax), Barry Harris (p), Bob Cranshaw (b)
und Billy Higgins (dr) liefert in Lee Morgan in 5 Eigenkompositionen
zwischen 6 und 10 1/2 Minuten, vor allem im blusigen Titelsong, die Vorlage
für viele weitere Blue Note Alben, die da noch kommen sollten ... |
| Jackie McLean: "Destination Out" (BLP 4165, 20. Sept. 1963) |
Weil ich letztendlich kein Kenner der Musik von Altsaxophonist Jackie
McLean bin, greife ich nur gelegentlich zu, wenn ich eine seiner Reissue-CDs
in der Grabbelkiste finde. Zwei, dreimal habe ich dabei interessante,
aber mich nicht wirklich begeisternde Aufnahmen entdeckt, aber "Destination
Out" ist ein echter Klassiker: lediglich vier Songs, alles Originalkompositionen,
drei von Posaunist Gracan Moncur III, eine von McLean
selber, jeweils um die 10 Minuten lang, von den beiden Bläsern zusammen
mit der Rhythmusgruppe Roy Haynes (dr) und Larry Ridley
(b) und dem Vibraphonspieler Bobby Hutcherson
als "Pianoersatz" eingespielt, bringen genau die richtige Mischung
aus Form und Freiheit, altem und neuem Jazz. Und wie immer natürlich mit
einem fantastischen Sound Dank Rudy van Gelder.(24.05.2009) |
| Eric Dolphy: "Out To Lunch" (BLP 4163, 25. Febr. 1964) |
Eric
Dolphy passte als "Freigeist" mit seiner Musik vielleicht nicht
ganz in das Blue Note-Konzept. Vielleicht gerade deshalb ein tolles Album?
Oder wegen der tollen Band: Freddie Hubbard (tp),
Bobby Hutcherson (vib), Richard Davis (db)
und Tony Williams (dr).(28.03.2010)
|
| Andrew Hill: "Point Of Departure" (BLP 4167, 21. März 1964) |
|
| Lee Morgan: "In Search Of The New Land" (BLP 4169, 15. Feb. 1964) |
Und hier ein weiteres Blue-Note-Highlight aus dieser Zeit. Lee Morgan
galt damals als eines der größten Talente an der Trompete, bevor er leider
in den Drogensumpf geriet. Auf dieser Platte gibt es Hard Bob vom Feinsten:
5 Eigenkompositionen von Morgan, unter denen das 15minütige Titelstück
direkt zu Beginn besonders herausragt. Die Band ist so ziemlich das Beste,
was man bei Blue Note damals aufgefahren hat: Wayne
Shorter am Tenorsaxofon, Gitarrist Grant Green,
Pianist Herbie Hancock, Bassist Reggie Worman
und Trommler Billy Higgins. Muss ich außerdem erwähnen, dass
Rudy van Gelder wie immer einen phantastischen Sound hinbekommen
hat?(Oktober 2006) |
| Herbie Hancock: "Empyrean Isles" (BLP 4175, 17. Juni 1964) |
|
| Horace Silver Quintet: "Song For My Father" (BLP 4185, 26. Okt. 1964) |
|
| Joe Henderson: "Inner Urge" (BLP 4189, 30. Nov. 1964) |
Ein
weiteres vorzügliches Album eines zum Teil unterschätzten Meisters
des Tenorsaxofons. Garanten für diese hohe Qualität sind natürlich
auch seine Mitstreiter, die alle grosse Erfahrungen als Begleiter von
Spitzenkönnern am Tenorsax haben: McCoy Tyner und Elvin
Jones aus der Band von John Coltrane, sowie
Bob Cranshaw, der langjährige Begleiter von Sonny
Rollins.(09.06. 2010)
|
| Wayne Shorter: "Speak No Evil" (BLP 4194, 24. Dez. 1964) |
"This is the perfect Wayne Shorter album" sagt der Kritiker
vom All Music Guide.
Und der Mann hat natürlich Recht. Zusammen mit Herbie
Hancock am Piano, Freddie Hubbard an der Trompete,
Elvin Jones am Schlagzeug und Ron Carter am Kontrabass entstand
am Heiligabend 1964 eine der schönsten und zeitlosesten Jazzplatten,
die ich kenne. |
| Herbie Hancock: "Maiden Voyage" (BLP 4195, 17. Mai 1965) |
In klassischer Quintettbesetzung am 17.05.1965 eingespielt, hält
Hancock hier den Standard, den er durch seine Mitwirkung im Miles Davis
Quintet mit gesetzt hat. Von seinem Arbeitgeber kamen Ron Carter
(db), Tony Williams (dr) und George Coleman (sax), während
Freddie Hubbard (tp) diesen würdig vertrat. |
| Bobby Hutcherson: "Dialogue" (BLP 4198, 03. April 1965) |
![]() |
| Horace Silver Quintet plus J.J. Johnson: "The Cap Verdean Blues" (BLP 4220, 22. Okt. 1965) |
... und noch mehr vorzüglicher Jazz (und Dank Rudy van Gelder)
in perfektem Klang von einem wunderbaren Label! Der Pianist Horace
Silver war damals sehr populär und hatte einen etwas "eingängigeren
Stil" als manche seiner Kollegen: Mainstream-Jazz auf allerhöchstem
Niveau! Mit dabei drei tolle Bläser: Tenorsaxofonist Joe
Henderson war schon auf dem ebenfalls gelungenen Vorgänger "Song
For My Father" zu hören. Trompeter Woody Shaw war als
"Youngster" neu in der Band. Posaunist Jay Jay Johnson
war ein alter Weggefährte von Silver aus den 50ern und ist als Gastsolist
zu hören. Und wie immer bei Blue Note: ein sehr schönes Cover!(14.04.2006) |
| Larry Young: "Unity" (BLP 4221, 10. Nov. 1965) |
"Unity" ist vielleicht beste Album eines der ganz großen Orgelspieler
des Jazz! Unterstützt von Elvin Jones am Schlagzeug und den Bläsern
Joe Henderson (sax) und Woody Shaw (tp) wird
hier ein modernere Orgelmusik als etwa bei Jimmy Smith gepflegt, den ich
aber auch sehr schätze.(02.06.2009) |
| Bobby Hutcherson: "Happenings" (BLP 4231, 06. Febr. 1966) |
![]() |
| Donald Byrd: "Slow Drag" (BLP 4292, 12. Mai 1967) |
|
Der erste Anreiz, mich mit "Slow Drag" zu beschäftigen,
abgesehen davon, dass Donald Byrd und Blue Note natürlich
immer für Qualität bürgen, zugegebenermaßen ein
rein optischer - aber es ist auch ein wirklich gutes Album. Wahrscheinlich
kein Meilenstein der Jazzgeschichte, aber einfach nur gut zu hören. |
| Eddie Gale: "Eddie Gale's Ghetto Music" (BLP 4294, 20. Sept. 1968) |
Auf das Debütalbum des mir bislang völlig unbekannten Eddie Gale
(spielte bei Cecil Taylor und mit Sun Ra) bin ich zufällig
im Internet gestoßen, wo eine Zusammenarbeit des Trompeters mit der Instrumentalband
Mushroom aus San Francisco, geleitet von Trommler
Pat Thomas, erwähnt wurde. Dort gab es auch einen Hinweis auf dieses
seltene Kultalbum, das eine Besonderheit im Blue Note-Katalog darstellen
soll. Kürzlich bekam ich eine Kopie des CD-Reissues auf Water-Records,
betreut von, oh Zufall, Pat Thomas.Die Besetzung besteht aus zwei Bläsern (Eddie und Saxofonist Russell Lyle), dazu zwei Bässe, zwei Schlagzeuger und ein 11köpfiger Gospelchor. Die erste Nummer "The Rain" beginnt - verwirrend auf einem Blue Note-Album - mit einer einzelnen sanften Frauenstimme und Folkgitarre im Stile von Pentangle oder besser gesagt: Joan Baez, bevor zur zweiten Strophe Band und Chor dazukommen und die Nummer doch noch zu einer ekstatischen Jazzimprovisation wird. Ein wirklich tolles Album! Und wirklich was besonderes im Blue Note-Katalog! (28.05.2009) |
| Donald Byrd: "Electric Byrd" (BLP 4349, 15. Mai 1970) |
Dieses Album wäre ohne Bitches
Brew wohl kaum entstanden: am 15.Mai, also knapp einen Monat nach
dem Erscheinen von Miles Davis' Meisterwerk war der Blue-Note-Startrompeter
selber im Studio, um seine Version/Vision von "Fusion" zu erschaffen.
Mit dabei u. a. die ehemaligen bzw. zukünftigen Miles-Davis-Musiker
Ron Carter und Airto Moreira. Neben Donald Byrds Trompete
sind gleich 4 sehr gute Saxofonisten dabei: Jerry Dodgion, Frank
Foster, Lew Tabackin und Pepper Adams, dazu an der Posaune
Bill Campbell. Trotzdem gibt es keinen klassischen "Bigband"-Sound.
Eine tragende Rolle nimmt das E-Piano von Duke Pearson ein. Um
es noch mal klar zu sagen: hier wird nicht Miles Davis kopiert, sondern
eine entspannte Variante der damaligen "Zeitgeist"-Musik gebracht.
Wer auf lange Klangteppiche á la Bitches
Brew steht, aber dort eine gewisse Leichtigkeit vermisst, der ist
hier gut aufgehoben. Für mich eine sehr schöne Hintergrundmusik
(was nicht negativ gemeint ist!) |
| Bobby Hutcherson: "San Francisco" (BLP 4362, 15. Juli 1970) |
Alleine schon am Cover und Bobbys Kopfbedeckung kann man erkennen, dass
diese Platte nicht aus der Hochphase des Labels Mitte der 60er stammt!
Und auch die Musik steckt irgendwo zwischen klassischem Hardbop der 60er
und dem was Miles Davis zur selben Zeit mit Bitches
Brew natürlich viel radikaler betreibt: der Elektrifizierung
des Jazz. Auf "San Francisco" heißt das aber nur, dass Joe
Sample (der Crusaders-Chef ist hier nur in einer Nebenrolle
dabei!) neben dem Flügel auch sehr schön das Rhodes-E-Piano
einsetzt und Bassist John Williams neben dem Kontrabass auch die
Bassgitarre verwendet, bzw. wie man damals immer sagte und es hier auch
auf dem Cover steht: er spielt Fender Bass. Wichtigster
Solist neben Hutcherson, der außer dem metallenen Vibraphon auch das verwandte
hölzerne Marimbaphon einsetzt, ist der auf dem Cover mit abgebildete
Bläser Harold Land an Tenorsaxofon, Flöte und Oboe. Schöne
Platte, die zwar nicht so sehr swingt, aber dafür sehr gut groovt! |
Die 70er bei United Artists an der Westküste ...
| Donald Byrd: "Black Byrd" (BN LA 047, 04. April 1972) |
|
| Chico Hamilton: "Peregrinations" (BN LA 520, 10. Juli 1975) |
Mein erstes Blue Note Album vom ehemaligen Trommler des berühmten
Gerry Mulligan/Chet Baker Quartetts
aus den 50ern mit einem "zeitgenössischen" Mix aus Jazz,
Funk, Rock und Disco. Irgendwann in den späten 70ern/frühen
80ern hatte ich das Album für wenig Geld irgendwo aus der Grabbeliste
gezogen und fand es zuerst, wie ich zugeben muß, ziemlich scheiße,
vor allem wegen der verwendeten Streicher. Wenn ich mir diese Musik jetzt
aber aus der Distanz so anhöre, dann hat das aber durchaus was! Zwar
ist sie für mich nicht so gut wie die vom Labelkollegen Donald
Byrd, aber immerhin mit Arnie Lawrence und dem damaligen Shootingstar
Arthur Blythe an den Saxofonen, sowie
Joe Beck und Barry Finnerty an den Gitarren. Bei einigen
Nummern mit dominaten Bassfiguren von Steve Turre habe ich sogar
den Eindruck, daß sich hier Kurti Hauenstein von Supermax
doch sehr "inspirieren" ließ! Und "Andy's Walk"
ist eine wahre Hohner-D6-Orgie, die sich durchaus mit "Superstition"
von Stevie Wonder messen kann ...(01.09.2009) |
Die Neuzeit bei Mutter EMI ...
| Cassandra Wilson: "Blue Light ´Til Dawn" (1993) |
Auf
diesem Blue Note Album verband sie ihre für schwarze Jazzer ungewohnte
(?) Vorliebe zu weißen Singer/Songwritern und die Bluesmusik ihre Heimat
(Mississippi-Delta) mit ihrer Jazz-Ästhetik - und das vor allem im
akustischen Gewand. Coverversionen von: Robert Johnson ("Come
On In My Kitchen" und "Hellhound On My Trail"), Ann
Peebles ("I Can't Stand The Rain"), Van Morrison
("Tupelo Honey") und Joni
Mitchell ("Black Crow"). |
| Cassandra Wilson: "New Moon Daughter" (Dez. 1995) |
Auch
auf diesem Album pendelt Cassandra Wilson zwischen Jazz und Blues und
überrascht neben vorzüglichem eigenen Material mit der Wahl
der Coverversionen: Son House, Billie Holiday ("Strange
Fruit"), U2, Neil Young ("Harvest
Moon"), The Monkees ("Last Train To Clarksville"),
Hank Williams und Hoagy Carmichael. Weitestgehend akustisch
eingespielt mit Jazz-Könnern und klanglich ein Ohrenschmaus. |
| The Jazz Mandolin Project: "Xenoblast" (Aug. 1999) |
Mandoline, Kontrabass und Schlagzeug - eine ausgezeichnete Kombination,
um zu jazzen. Jamie Masefield ist ein Meister der 8 Saiten. Gerade
in Jamband-Kreisen ist die Kapelle sehr beliebt und wurde mit diesem zweiten
Album sogar für das legendäre Blue Note-Label verpflichtet.
Als Gast dabei: Jamrock-Halbgott Trey Anastasio von Phish an der
Gitarre.(07.10.2009) |
| Norah Jones: "Come Away With Me" (Feb. 2002) |
|
|
| Cassandra Wilson: "Belly Of The Sun" (April 2002) |
![]() |
| Van Morrison: "What's Wrong With This Picture" (Okt. 2003) |
|
Das mag ja stimmen, lieber Glitterhäusler. Und sicherlich ist
das Album nicht auf die Ebene von Tupelo
Honey zu heben. Aber im Gegensatz zu einem anderen meiner alten
Helden, Mr. Neil Young, liefert uns Mr. Morrison auch im fortgeschrittenen
Alter noch höchste Qualität ab. Außerdem muss ich sagen: das
neue Album von VAN THE MAN ist, wie schon allen anderen Alben zuvor,
Balsam für Ohren & Seele! |
| Al Green: "I Can't Stop" (Nov. 2003) |
Völlig überraschend nach so vielen Jahren ein Album des besten
Soulsängers überhaupt (natürlich neben Otis Redding).
Als wäre seit "Let's Stay Together" keine 30 Jahre vergangen.
Wenn es zeitlos gute Popmusik gibt: dann so was! Und der Glitterhäusler
soll sich die Platte einfach noch mal anhören.(11.12.2003) |
| Norah Jones: "Feels Like Home" (Feb. 2004) |
Jetzt wo die Platte bei mir läuft, bin ich total begeistert. Es
ist zwar kein Hit vom "I Don't Know Why"-Kaliber dabei, was
vielleicht gar nicht so schlecht ist, denn so wird das bei mir sicherlich
eine Platte mit Langzeitwirkung. Und viel Wurlitzer-Piano. Falls das
jemanden interessiert. |
| Thelonius Monk Quartet with John Coltrane: "At Carnegie Hall" (29. Nov. 1957/Sept. 2005) |
Wahnsinn! Ein neues Album von Monk und Trane, zwei der wichtigsten
Jazzmusiker aller Zeiten und auch zwei meiner absoluten Favoriten! Die
Aufnahmen stammen von einem Wohltätigkeitskonzert in der New Yorker
Carnegie Hall vom 29.11.1957 und wurden erst kürzlich in einem verstaubten
Archiv entdeckt. Geniale Musik - und ein fantastischer Sound!(05.11.2005) |
| Cassandra Wilson: "Thunderbird" (März 2006) |
|
Tja ... irgendwie werde ich mit dem Album wohl nicht mehr warm. Zuerst
hatte ich keine Lust, es noch mal aufzulegen. Dann hab ich es doch noch
mal gehört und es machte immer noch nicht "klick". Schließlich
ist die CD ganz aus meiner Aufmerksamkeit verschwunden... |
| "Keren Ann" (April/Juni 2007) |
Dies ist wohl schon das dritte Album der Dame, die aus Israel stammt,
in Paris aufgewachsen ist und inzwischen in New York lebt und arbeitet.
Frühere Alben sollen in Französisch sein, aber auf diesem titellosen
Album wurde erstmals ausschließlich Englisch gesungen. Für ältere
Zeitgenossen: Es klingt stark nach Velvet
Underground. Etwas Jüngere unter uns fühlen sich vielleicht
ein wenig an die Band Mazzy Star erinnert,
die ja aber auch im Grunde nach VU klangen.
So etwas mag ich natürlich sehr!(30.09.2007) |
| Al Green: "Lay It Down" (Mai 2008) |
Blöde Brille, tolle Musik! Al Green hat sich dieses mal nicht von
seiner alten Memphis-Gäng um Wilie Mitchell begleiten lassen, sondern
von einer Studioband um den Schlagzeuger und Produzenten ?uestlove,
der wohl von der berühmten (?) Hipp-Hopp(?)-Band The Roots
kommt. Man verzeihe mir meine Ignoranz und die vielen Fragezeichen (kleiner
Witz), aber ich kenne mich in jener Branche leider nicht aus. Die einzige
Platte in meinem Plattenschrank, auf der dieser offensichtlich ausgezeichnete
Musiker zu hören ist, ist "The Soul
Sessions" von Joss Stone, deren Retro-Soul nicht sehr
weit weg ist von Al Green. Und auch auf "Lay It Down" klingt
Al Green so wie immer. Was natürlich eine gute Sache ist.(25.06.2008) |
Ich
komme bei diesen frühen Aufnahmen von Monk, Miles & Co. immer ein
wenig durcheinander, aber die Aufnahmen stammen zwar von 1947 und '48
und wurden zuerst als 78er Schellacks veröffentlicht, als

Der
zweite Teil des Monk-Klassikers, dieses Mal mit Aufnahmen von 1947 bis
'51, auf meiner CD sogar mit Aufnahmen von 1952.
Ein
eher unbekanntes Album des größten Saxofonisten des Jazz, noch
vor seiner Zeit bei Atlantic und Impulse. Wohl sein einziges
für Blue Note. Mit der bewährten Rhythmusgruppe von

Hank
Mobley hat als Tenorsaxofonist zwar nie den Bekanntheitsgrad von
Tina
Brooks ist Blue Note-Tenorsaxofonist nie so bekannt geworden wie
Ike
Quebec war ein enger Freund von Produzent und Labelchef Alfred Lion,
arbeitete hauptsächlich als Talentscout für Blue Note, nahm
aber auch gelegentlich noch eigene Alben auf.
Aufgenommen
1961, veröffentlicht aber erst 1964, was aber nicht ungewöhnlich war
für Blue-Note und viele andere Jazzlabels war: Oft wurde in einer Session
Material für mehrere Alben eingespielt, manchmal verschwanden ganze
Sessions und somit geplante Alben erst einmal im Archiv und wurden erst
nach dem Tod (Quebec verstarb 1963) oder nach Labelwechsel der Künstler
veröffentlicht, ohne dass man dabei von Ausschußmaterial
sprechen könnte.

Als
eines der wenigen Alben des Posaunisten und Komponisten Grachan Moncur
III unter eigenem Namen ist "Evolution" eine für Blue Note-Verhältnisse
relativ "sperrige" Angelegenheit, auch wenn der Begriff "Free
Jazz" unzutreffend wäre - eher passt "Avantgarde".
Komplexe Kompositionen, eingespielt von einem Spitzenensemble (
Eric
Dolphy passte als "Freigeist" mit seiner Musik vielleicht nicht
ganz in das Blue Note-Konzept. Vielleicht gerade deshalb ein tolles Album?
Oder wegen der tollen Band:
Ein
weiteres vorzügliches Album eines zum Teil unterschätzten Meisters
des Tenorsaxofons. Garanten für diese hohe Qualität sind natürlich
auch seine Mitstreiter, die alle grosse Erfahrungen als Begleiter von
Spitzenkönnern am Tenorsax haben: McCoy Tyner und Elvin
Jones aus der Band von 


Auf
diesem Blue Note Album verband sie ihre für schwarze Jazzer ungewohnte
(?) Vorliebe zu weißen Singer/Songwritern und die Bluesmusik ihre Heimat
(Mississippi-Delta) mit ihrer Jazz-Ästhetik - und das vor allem im
akustischen Gewand. Coverversionen von: Robert Johnson ("Come
On In My Kitchen" und "Hellhound On My Trail"), Ann
Peebles ("I Can't Stand The Rain"), Van Morrison
("
Auch
auf diesem Album pendelt Cassandra Wilson zwischen Jazz und Blues und
überrascht neben vorzüglichem eigenen Material mit der Wahl
der Coverversionen: Son House, Billie Holiday ("Strange
Fruit"), U2, Neil Young ("

Eigentlich
hatte ich mich auf das Album sehr gefreut, als ganz kurzfristig die
Vorankündigung per Email kam, u. a. weil als Produzent T-Bone
Burnett erwähnt wird. Aber direkt bei der ersten Nummer gibt
es Computerbeats, die mir erstmal den Appetit verdorben haben. Außerdem
fehlt die ultimative Coverversion, für die ich Mrs. Wilson so sehr
liebe (ich denke da z.B. wehmütig an das grandiose, gegen den Strich
gebürstete "Harvest Moon" auf "